Meine Rede, dass moderne E-Bikes so verdongelt sind, dass sie nicht mehr von Laien gewartet und repariert werden können. Proprietäre Teile jenseits der üblichen Normen verhindern problemlose Ersatzteilebeschaffung.
Im Kern stellen sich mir da die Frage nach der Lage in anderen Ländern? Seit Corona boomen Fahrräder ja in diversen Ländern und die Frage ist, ob es dort auch die gleichen Probleme gibt. Oder liegt es an speziell deutschen Thematiken wie dem Meisterzwang für Fahrradwerkstätten, der es ausgebildeten Fahrradmechanikern oder auch ambitionierten Hobbyisten verbietet, eine kleine Werkstatt zu eröffnen?
Das Thema aus Sicht einer Bikekitchen sind genau die Punkte, die ich im Superkommentar genannt habe. Deshalb sind Räder wie Van Moov nicht reparierbar.
Wir bekommen in der Bikekitchen die Technologietrends mit etwa 10 Jahren Verspätung auf die Werkbank. Jetzt kommen gerade tubeless Reifen bei uns an, weshalb wir unsere Ausstattung nachrüsten müssen. Hydraulische Bremsen sind für uns unlustig, weil die Wirksamkeit der Bremsen nicht optisch kontrollierbar ist wie bei einer Seilbremse. Wir können als Ehrenamtliche keine Haftung übernehmen.
Verdongelte Bosch oder Shimano Systeme sind für uns nicht zugänglich. Einen Bosch-Akku gegen einen No Name zu tauschen geht nicht, also wandert ein > 2000 € Fahrrad in den Schrott, weil der original Akku zu teuer ist. Das widerspricht unserer Philosophie von der einfachen MaschineOder liegt es teilweise an der Faulheit einiger Leute? Ja, die komplizierte werdende Technik wird im Artikel genannt… aber erst weiter unten als “weitere Gründe, die hinzu kommen”.
Eröffnet wird das Ganze hingegen (und da würde ich auf Grund der Formulierung und Schwerpunktsetzung eher vom Normalfall ausgehen) mit simplen Felgenbremsen oder gar den dazu gehörigen Felgen, die durch sind. Wenn ich beschließe mein Rad für sowas in die Fachwerkstatt zu bringen, ist das schon 'ne bewusste Entscheidung.
Und wenn ich mir angucke, dass ich überall noch problemlos, ohne online suchen zu müssen, Ersatzteile bekomme, teilweise selbst 2-3 mal jährlich beim Discounter, gibt es wohl immer noch genug Menschen, die ihr Rad einfach selbst reparieren.
Würde mich also doch schon interessieren, wer das so ist, der einerseits so intensiv radelt und andererseits selbst Kleinkram nicht mehr allein reparieren kann oder will.
Zum Thema “andere Länder” kann ich dann nach Jahrzehnten in Grenznähe zu unseren niederländischen Nachbarn auch nur sagen: Da sieht es tatsächlich anders aus. Das täglich benutzte Rad ist da in vielen Fällen vergleichsweise einfach, funktionell, ohne Schnickschnack und zumindest teilweise auch echt alt. Weil halt praktisch jeder eins hat und damit auch jeder weiß, wie er die normalen Verschleißteile repariert oder austauscht.
oder gar den dazu gehörigen Felgen, die durch sind
Felgen sind so ziemlich das einzige was ich nicht selbst mach, aber die halten auch Ewigkeiten.
Ich weiß nicht, ob es Faulheit ist. Natürlich kann man lernen, sein Fahrrad selbst zu reparieren, aber gleichzeitig machen wir das in anderen Bereichen ja auch nicht. Ich kann auch lernen, mein Dach neu zu decken. Aber dafür gehe ich zum Dachdecker. Ich kann auch lernen, an meinem Auto zu schrauben, gebe es aber lieber in die Werkstatt. Schrauben geht, aber die Leute brauchen dafür die nötige Motivation und natürlich auch die nötige Zeit. Wenn du 40 Stunden arbeitest, vielleicht noch Kinder hast, Haus und Garten pflegen musst, Einkaufen, Kochen, Putzen und dich vielleicht noch die Eltern oder Großeltern kümmerst, dann ist es auch vollkommen okay, wenn du nicht noch einen zusätzlichen Fuhrpark an Fahrrädern pflegen möchtest.
Reparaturen werden immer komplizierter
Und noch etwas sorgt für längere Wartezeiten: Konnten Reifen, Bremse, Ketten früher auch mal zu Hause repariert werden, trauen sich heute immer weniger Kunden selbst an eine Reparatur, erzählt Vakilzadeh. “Die Systeme werden komplexer.”
Das liegt vor allem an immer mehr E-Bikes. Laut Zahlen der Fahrradindustrie wurden allein in den vergangenen fünf Jahren bundesweit fast zehn Millionen E-Bikes verkauft. Deren Elektronik kann kaum noch ein Kunde selbst reparieren. Und so kommen auf immer weniger Fachkräfte immer mehr Fahrradreparaturen.
Die Elektronik könne die Fachkräfte in der Fahrradwerkstatt aber bestimmt auch nur selten wirklich reparieren. Die wird doch in den meisten Fällen doch bestimmt eh einfach getauscht. Die haben wahrscheinlich nur besseren Zugang zum Ersatzteilsupport, wobei die Hersteller den auch nur für die Lebenszeit des Artikels anbieten und danach kann man die E-Bikes auch nur noch wegschmeißen, wenn man nicht ewig viel Arbeit und damit auch Geld investieren will, um Ersatzteile von 3. Anbietern zu beschaffen
Man kann nur hoffen, dass sich in ein paar Jahren noch ein paar Standards herauskrisallisieren, wie man sie ja doch bei den meisten anderen Teilen hat. Aktuell wird ja doch noch viel ausprobiert
Sind aber nicht nur die elektronischen Teile.
Hydraulische Scheibenbremsen bspw. sind geil zum Bremsen, aber die Wartung natürlich ungleich krasser als bei gammeligen V-Brakes. Leitungen ggf. entlüften, Bremsscheiben wechseln, Bremsklötze wechseln, einstellen…alles kein Kinderspiel mehr. Muss man Bock drauf haben.
Arbeitszeit ist ja überall so teuer, dass keiner mehr irgendwas repariert. Da fängt auch keiner an, deine hydraulische Scheibenbremse mit Liebe wieder zum Leben zu erwecken. Da wird dann einfach eine neue Bremsbacke montiert und fertig. Das gilt im Kern auch für alles andere - keiner lötet dir mehr kaputte Kondensatoren, um deine Technik zu reparieren, keiner bastelt neue Sohlen unter die Deichmann-Latschen und die Autowerkstatt tauscht auch nur Teile statt sie zu reparieren





